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Geithain! Geithain! Wir fahren nach Geithain!

Was jetzt folgt, wird kein Spielbericht, welcher exemplarisch für das Pokalhalbfinale am vergangenen Samstag ist, sondern vielmehr ein Ausdruck dessen, wie ein Konglomerat aus Mannschaft und Fans Pegau zum Beben brachten und diese in die Verzweiflung trieben.


 

Michael Wolf Spieler des Tages

Gegen 15.00 Uhr Ortszeit machte sich eines der unzähligen Ultra-Mobile von Altenburg auf den Weg nach Pegau – am Steuer der erneut erkrankte Holger Bauch, der sonst eine feste Größe im Mittelfeld der Serbitzer ist. Eine gewisse Anspannung war im Fahrzeug schon zu spüren, stand der FSV doch kurz vor der großen Möglichkeit, das Pokalfinale in Geithain zu erreichen. Nach der verpatzten Generalprobe gegen die zweite Mannschaft des SV Borna, sahen die im Auto getroffenen Prognosen nicht unbedingt euphorisch aus für den FSV, aber dass diese Mannschaft immer wieder für eine Überraschung gut ist, hat sie ja schon diverse Male bewiesen. Nach halbstündiger Autofahrt erreichte man schließlich Pegau und es kam wie es kommen musste: Regen setzte ein und machte die ohnehin schon mäßigen Bedingungen endgültig ungemütlich. Richtung Platz marschierend, machten die Ultras Kevin und Danny, Holger Bauch und dessen Freundin schon einige Heimfans aus, unterstützt von einer riesigen Trommel und als man am Vereinshaus vorbeilief, blies ein pegauer Fan in ein langes und güldenes Horn. Ja, es sah so aus, als ob hätten sich die Pegauer eine Menge vorgenommen. Doch auch die Spieler des FSV wurden – eigentlich bedarf das keiner Erwähnung mehr – von zahlreichen Fans, darunter etliche Ultras, unterstützt, jedoch ohne Trommel und ohne Horn. Schnell versteckten diese noch ihre Köpfe unter einem Meer von Regenschirmen, als der Schiedsrichter das Spiel anpfiff. Im serbitzer Tor stand Daniel Dietze, der ein großes Spiel machen sollte und davor agierte die Viererkette um Mike Majetschak, André Koch, Michael Wolf und Mirko Schuster. Im 4er-Mittelfeld standen etatmäßig Marcel Kubik, Sören Winklmeier, Michael Dinter und Andreas Lehmann, die die beiden Sturmspitzen Falko Richter und Thomas Winkler bedienen sollten, was in diesem hart umkämpften Spiel zwar nur selten gelang, aber durch die schlechten Witterungsbedingungen auch sehr schwierig war. Das Spiel begann, wie man es erwarten konnte, ohne große Torraumszenen, da sich beide Mannschaften abtasteten. Keiner wollte den ersten Fehler machen, das wurde schnell deutlich. Der TuS Pegau drängte die Spieler des FSV die ersten zehn, zwanzig Minuten weit in die eigene Hälfte zurück und erarbeitete sich kleinere Chance, die das Tor von Daniel Dietze, der, trotz der schlechten Platzverhältnisse, einen souveränen Eindruck hinterließ, nicht ernsthaft in Bedrängnis brachten. Im Duell der Fanlager führte bisweilen noch der pegauer Fanblock, was im Verlauf des Spiels allerdings noch stark kippen sollte. Recht arm an Highlights ging die erste Hälfte dann auch zu Ende und beide Teams gaben sich dem verdienten Pausentee hin.
Zusammenfassend kann man sagen, dass sich der TuS Pegau in seine leichte Favoritenrolle fügte und mehr Druck machte als die Spieler des FSV, diese aber nicht ganz unclever standen und geduldig auf ihre Chance lauerten. Und im Gegensatz zu einem Punktspiel war klar, dass sie so auch die zweite Halbzeit weiterspielen könnten, zur Not bis zu einem Elfmeterschießen. Nach 15-minütiger Erholungspause kamen beide Mannschaften aus den Kabinen und der frierende FSV-Fanblock machte gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit klar, dass nun ein anderer Wind über den pegauer Fußballplatz, der an diesem Tag eher einem Acker glich, wehen würde. Die Mannschaft nahm die Unterstützung dankend an und schmiss sich noch mehr in die Zweikämpfe, ohne dabei für mehr Torgefahr zu sorgen. Aber mittlerweile war allen Spielern und auch den Zuschauern klar gewesen, dass dieses Spiel über die Geduld entschieden würde. Daniel Dietze musste mehr und mehr seinen Mann stehen, stand dabei aber prächtig. Herausragend spielte an diesem Tag in der Defensive auch Mike Majetschak, der seine Routine in fast jeder Aktion aufblitzen ließ und somit das Spiel oft beruhigen konnte. Auf dem Platz zeigte sich indessen das Bild der ersten Hälfte: Serbitz stand bis auf wenige Unkonzentriertheiten gut nach hinten, machte die Räume eng und Pegau fand nicht das richtige Rezept, um sich klare Torchance zu erspielen. Und dann sollte tatsächlich das geschehen, worauf die vielen mitgereisten serbitzer Anhänger inständig gehofft hatten: Thomas Winkler nutze einen langen Ball von Michael Wolf und einen Stellungsfehler in der pegauer Abwehr, brachte den Ball irgendwie über die Torlinie der Gastgeber und sorgte dafür, dass die Emotionen endgültig überschäumten. Fortan waren es die Fans des FSV Serbitz/Thräna, die ihre Mannschaft unüberhörbar über die letzten 25 Minuten des Spiels schreien wollten. Was diese letzten 20, 25 Minuten des Spiels zeigten, hätte Alfred Hitchcock nicht besser inszenieren können. Es spielte nur noch die Elf aus Pegau und der Ball flog diverse Male nur haarscharf am Kasten von Daniel Dietze vorbei. Nicht nur einmal blieb den Fans und Betreuern des FSV dabei fast das Herz stehen. Auch abseits des regulären Spielverlaufs gab es viele kleine Nicklichkeiten, die sich dann aber irgendwann auch addierten und somit war es kein Wunder, dass die frustrierte Nummer 10 der Gastgeber den Platz mit Gelb/Rot verlassen musste. Dass der Schiedsrichter mit dem Ergebnis bis dato nicht ganz konform ging, ließ er dann auch noch mal deutlich werden, in dem er gefühlte 10 Minuten nachspielen ließ. Doch auch das sollte den Pegauern nicht mehr zum Sieg reichen. Die serbitzer Elf warf sich in jede Schussgelegenheit der Gäste und fightete sich zum verdienten Finaleinzug. Lediglich der Schlusspfiff fehlte noch, kam dann aber auch und zeitgleich machten sich die Serbitz-Fans auf den Platz zu den Champions dieses Spiels.
Sie feierten ihre Mannschaft, welche die Pokalformel, bestehend aus Kampfgeist, Moral und Glück einfach wie keine andere beherrscht und somit verdient in das Pokalfinale nach Geithain eingezogen ist. Dort treffen sie auf Deutzen, die sich etwas überraschend gegen Eula durchsetzen konnten und – dass kann man mit Gewissheit sagen – das bessere Los für den FSV sind. Hoffentlich wird diesem tollen Durchmarsch im Pokal in Geithain die Krone aufgesetzt.

K. Gentsch