Das Fußball die prädestinierte Sportart für emotionale Achterbahnfahrten ist, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Die Faszination des Sports lebt zu einem großen Teil davon, aber manchmal kann man auf dieses Faszinosum verzichten – so auch im Pokalfinale gegen den SV Deutzen am vergangenen Samstagnachmittag.
Es war schon ein besonderes Spiel. Mehrere Hunderte Zuschauer fanden sich bei hervorragendem Wetter auf dem Geithainer Sportplatz ein, um einem spannenden Pokalfinale zu frönen und ihre Mannschaften tatkräftig zu unterstützen. Dass sie dabei das ein oder andere Mal über die Strenge schlugen, ist wohl der großen Hitze und dem nicht minder großen Alkoholkonsum zuzuschreiben. Auf Seiten der Deutzener wurden vor dem Spiel große Töne angeschlagen, so dass man vermuten musste, sie würden die Spieler des FSV nahezu überrollen, aber weit gefehlt: Über weite Strecken des Spiels zeigte sich mehr und mehr, dass den Spielern des SV Deutzen für tollen Kombinationsfußball die nötige Qualitäten fehlen und man sich auf andere Vorzüge verlassen musste, zum Beispiel reinem Glück. Denn die Spieler des FSV zeigten sich in der Anfangsphase von ihrer besten Seite und konnten den unbeholfenen Versuchen des SV Deutzen locker und lässig Paroli bieten, ohne dabei den Anschein zu erwecken, bereits in der ersten Spielhälfte sämtliche Körner zu verlieren. Man stand nach hinten sehr kompakt und zeigte auch nach vorne mehr Kreativität als in den letzen Wochen. Lediglich eine gefährliche Aktion brachten die Deutzener zustande, welche jedoch mit einem zu ungenauem Abschluss über das Tor endete. Für weitere Torgefahr sorgte André Koch, der bei einer wichtigen Rettungsaktion das eigene Tor nur knapp verfehlte. Die klarste Chance in der ersten Halbzeit hatten aber die Mannen des FSV, als Michael Dinter einen abgefangen Ball mit schnellen Schritten gen deutzener Gehäuse bewegte und dann mit einem überragenden Pass Matthias Erhardt bediente, dem alleine vor dem Tor jedoch die Nerven versagten. Nachdem Erhardt den Keeper des SV Deutzen anschoss, blieb der Ball allerdings heiß und er bediente mit einer guten Flanke Holger Bauch, der mit einem Kopfball auf Michael Dinter zurücklegte, welcher den Ball ebenfalls per Kopf über die Linie brachte. Frenetischer Jubel brach unter den Fans und Ultras des FSV aus, der dann aber ein jähes Ende finden sollte, als der unterirdisch pfeifende Schiedsrichter auf Abseits entschied – eine von unzähligen strittigen bis lächerlichen Entscheidungen in diesem Spiel. Somit ging das Spiel mit einem 0:0 in die Halbzeitpause – insgesamt ein gerechtes Unentschieden. Auch in der zweiten Halbzeit wurde schnell klar, dass die sich selbst favorisierenden Akteure des SV Deutzen weit davon entfernt waren, dass Heft des Spiels in die Hand zu nehmen. Vielmehr gelang es dem FSV, die Kontrolle zu übernehmen und durch eigenen Ballbesitz die Kugel vom eigenen Tor fern zu halten. Aus dem starken Kollektiv der Serbitzer stach nur ein Mann heraus, wie so oft in dieser Saison, Andreas Lehmann, der die deutzener Verteidiger mit Regelmäßigkeit vorführte und ihr Aggressionspotenzial dadurch potenzierte, was für die Partie nicht unbedeutend bleiben sollte. Denn zwanzig Minuten vor Schluss, drang jener Andreas Lehmann in den Strafraum des SV Deutzen ein und ging dort zu Boden. Nach einem klaren Elfer sah die Situation zwar nicht aus, aber die etlichen vorangegangenen am Spielmacher des FSV sorgten wohl letztendlich dafür, dass der groteske Schiedsrichter zur Pfeife griff und auf Elfmeter entschied. Wie gewohnt trat Thomas Winkler an, um seine Mannen vom Punkt aus in Führung zu schießen und tat dies dann auch in überzeugender Art und Weise. 1:0 für den FSV Serbitz/Thräna – der Traum vom Pokalgewinn zum greifen nah. Doch die Serbitzer sollten jenem Ziel noch näher kommen, als der Schiedsrichter, nach einem ruppigen Foul an Andreas Lehmann, einen deutzener Spieler mit Rot vom Platz stellte. Auch in dieser Entscheidung lag der Schiedsrichter weit neben der Realität und hätte es gut und gerne bei einer gelben Karte belassen können – Fingerspitzengefühl scheint ihm ein Wort ohne Inhalt zu sein. Spätestens jetzt war es soweit: Die Fans des FSV begannen jeden Ballkontakt ihrer Spieler zu feiern und sangen Mannschaft und Fans des SV Deutzen virtuell nach Hause. Doch die Rechnung haben sie zu diesem Zeitpunkt ohne den Schiedsrichter gemacht, der seine Show der Kuriositäten nicht enden ließ und wahrscheinlich auch aus Angst vor den aufgebrachten Fans des SV Deutzen noch ein großes Kabinettstückchen parat hatte: Einen Elfmeter – was sonst – kurz vor Ende der Partie, nach angeblichem Handspiels im Sechzehner des FSV. Wer nichts mit dem Fremdwort Konzession anfangen kann, konnte hier noch etwas lernen. Natürlich wurde dieser Elfmeter auch verwandelt und natürlich mussten die Spieler des FSV wieder um ihren sicher geglaubten Erfolg bangen. Doch die bloßen Fakten sprachen immer noch für sie, sollte der personelle Vorteil über 120 Minuten doch ein sehr großer sein. Wenn man allerdings nicht in der Lage ist, diesen Vorteil auszuspielen und sich trotz des Spielers mehr auf dem Platz öfter in der eigenen Hälfte als der gegnerischen aufhält, kann der Fußball grausam sein und natürlich war er es auch. Mit einem Tor, das an Hässlichkeit nicht zu überbieten und welches eines Pokalfinals nicht würdig war, entschied der SV Deutzen unmittelbar vor Schluss die Partie doch noch für sich und schickte die Serbitzer und ihre mitgereisten Fans damit ins Tal der Tränen. Die Chance war da, die Chance war riesig. Der einzige Vorwurf, den man den Spielern des FSV allerdings machen kann ist der, dass sie es trotz Überzahlspiels nicht schafften, ihren Vorsprung zu verwalten, sich zumindest in die Verlängerung zu retten. Es war ein Spiel das alles hatte, was ein Pokalfinale braucht: Leidenschaft, Spannung, verrückte Fans und verrückte Entscheidungen. Aber kaufen kann man sich davon nichts. Die Auffassungen gehen sicherlich auseinander, aber ich mache zwischen einem Erstrunden-Aus und einer Niederlage im Finale keinen unterschied, denn im Pokal zählt nur eins: der Sieg. Jeder wird für sich selbst Ansprüche an sich und die Mannschaft stellen und kann sich demnach auch selbst die Frage beantworten, ob man mit der gesamten Saison zufrieden ist oder nicht. Eins wird bei allen Spielern und Verantwortlichen des FSV nach diesem Pokalfinale hängen bleiben: Die Grausamkeit des Sports!